Neue Selbständige in Österreich: SVS, Grenzen, Anmeldung
Neue Selbständige arbeiten ohne Gewerbeschein auf Werkvertrag. SVS-Pflicht bei Einkünften über 6.613,20 Euro (2026), Meldung binnen einem Monat.

Neue Selbständige sind Personen, die selbständig auf Werkvertrag arbeiten und dafür keine Gewerbeberechtigung brauchen, etwa Vortragende, Autorinnen oder Psychotherapeuten. Bei der Sozialversicherung der Selbständigen (SVS) sind sie pflichtversichert, sobald ihre Einkünfte 2026 über 6.613,20 Euro im Jahr liegen. Die Tätigkeit melden sie selbst binnen einem Monat bei der SVS, eine Gewerbeanmeldung entfällt.
Wer zählt zu den Neuen Selbständigen?
Neue Selbständige erzielen aus einer betrieblichen Tätigkeit Einkünfte aus selbständiger Arbeit oder aus Gewerbebetrieb, brauchen dafür aber keinen Gewerbeschein. So beschreibt es das Unternehmensserviceportal (USP), die gesetzliche Grundlage ist § 2 Abs. 1 Z 4 GSVG. Wer für dieselbe Tätigkeit schon nach einem anderen Gesetz pflichtversichert ist, etwa als Dienstnehmer nach dem ASVG, fällt nicht darunter.
Die Arbeit läuft über Werkverträge: Geschuldet ist ein Ergebnis, nicht die Arbeitszeit. Laut USP gehören dazu persönliche und wirtschaftliche Unabhängigkeit vom Auftraggeber, keine Weisungsbindung, in der Regel das Recht, sich vertreten zu lassen, und eine eigene unternehmerische Struktur mit Büro und Betriebsmitteln.
Typische Tätigkeiten
USP, oesterreich.gv.at und SVS nennen als Beispiele:
- Autorinnen und Autoren
- Vortragende
- Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten
- Kunstschaffende
- Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten
Maßgeblich ist am Ende nicht eine Liste, sondern ob die Tätigkeit unter die Gewerbeordnung fällt. Ist sie ein Gewerbe, brauchen Sie eine Gewerbeberechtigung und sind Gewerbetreibender. Ob das zutrifft, klärt der Blick in die Liste der freien Gewerbe. Für Berufe mit eigener Kammer, etwa Wirtschaftstreuhänder, Tierärzte, Notare oder Rechtsanwälte, gelten Sonderregeln: Laut SVS besteht für sie nicht in allen Zweigen eine Pflichtversicherung.
Neue Selbständige oder Gewerbe: der Unterschied
| Merkmal | Neue Selbständige | Gewerbetreibende |
|---|---|---|
| Berechtigung | keine Gewerbeberechtigung nötig | Gewerbeberechtigung, Eintrag im GISA |
| Meldung an die SVS | selbst, binnen einem Monat | im Regelfall automatisch über die Gewerbebehörde |
| Beginn der SVS-Pflicht | wenn die Einkünfte die Versicherungsgrenze übersteigen | mit der Gewerbeberechtigung, unabhängig vom Einkommen |
| Ausnahme bei geringen Einkünften | ohne Antrag, bis 6.613,20 Euro Einkünfte | nur auf Antrag, mit Umsatzgrenze und Vorversicherungszeit |
Wer mit wenig Umsatz ein Gewerbe anmeldet, landet bei der Frage, was ein Kleingewerbe ist. Die Antwort mit allen Grenzen steht im Beitrag Kleingewerbe in Österreich.
SVS: Versicherungsgrenze 2026 und Beiträge
Die Versicherungsgrenze für Neue Selbständige liegt 2026 bei 6.613,20 Euro Einkünften im Jahr, dem Zwölffachen der monatlichen Geringfügigkeitsgrenze. Sie gilt laut SVS unabhängig davon, ob Sie die Tätigkeit haupt- oder nebenberuflich ausüben. Darüber sind Sie in der Kranken-, Pensions- und Unfallversicherung pflichtversichert, dazu kommt die Selbständigenvorsorge.
Weil die Einkünfte erst mit dem Steuerbescheid feststehen, gibt es zwei Wege:
- Überschreitungserklärung: Sie erklären der SVS, dass Ihre Einkünfte über der Grenze liegen werden. Die Versicherung beginnt mit dem Tag, an dem die Erklärung einlangt, frühestens mit dem Start der Tätigkeit. Der Schutz bleibt auch dann aufrecht, wenn die Einkünfte am Ende doch darunter liegen.
- Keine Erklärung: Die SVS prüft erst anhand des Einkommensteuerbescheids. Lagen die Einkünfte über der Grenze, zahlen Sie die Beiträge nach und zusätzlich einen Beitragszuschlag von 9,3 Prozent. Den Zuschlag vermeiden Sie, wenn Sie die Überschreitung binnen acht Wochen ab Ausstellung des Einkommensteuerbescheids melden.
Bleiben Sie sicher unter der Grenze und wollen trotzdem krankenversichert sein, gibt es das Opting-in: Es umfasst Kranken- und Unfallversicherung, beginnt mit dem Tag, an dem der Antrag einlangt, und kostet den gesetzlichen Mindestbeitrag.
| Beitrag 2026 | Satz | Vorläufig in den ersten drei Jahren, monatlich |
|---|---|---|
| Pensionsversicherung | 18,5 Prozent | 101,95 Euro |
| Krankenversicherung | 6,8 Prozent | 37,47 Euro |
| Selbständigenvorsorge | 1,53 Prozent | 8,43 Euro |
| Unfallversicherung | fixer Betrag | 12,96 Euro |
| Summe | 160,81 Euro |
In den ersten drei Jahren berechnet die SVS die vorläufigen Beiträge von der Mindestbeitragsgrundlage von 551,10 Euro im Monat, die Tabelle zeigt die daraus gerechneten Beträge. Vorgeschrieben wird vierteljährlich, auch für den Monat, in dem die Versicherung beginnt, ist ein voller Monatsbeitrag fällig. Nach dem Einkommensteuerbescheid rechnet die SVS endgültig nach Ihrem Gewinn ab. Ihre eigene Zahl liefert der SVS-Rechner für Einzelunternehmen und Neue Selbständige.
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Anmeldung: SVS und Finanzamt
Eine Gewerbeanmeldung gibt es für Neue Selbständige nicht. Diese Schritte stehen an:
- SVS: Liegen Ihre Einkünfte voraussichtlich über 6.613,20 Euro, melden Sie die Tätigkeit laut USP binnen einem Monat nach Aufnahme bei der SVS.
- Finanzamt: Bei erstmaliger Aufnahme der Tätigkeit beantragen Sie eine Steuernummer. Die Eröffnung zeigen Sie dem Finanzamt binnen einem Monat an.
- Einkommensteuererklärung: Neue Selbständige sind einkommensteuerpflichtig, aber nicht lohnsteuerpflichtig. Die Erklärung (Formular E1) geben Sie über FinanzOnline bis 30. Juni des Folgejahres ab, mit Steuerberatung gelten längere Fristen.
- Arbeitslosenversicherung, freiwillig: Den Eintritt können Sie binnen sechs Monaten ab der Verständigung durch die SVS schriftlich erklären. Innerhalb von drei Monaten erklärt, beginnt sie zugleich mit der Pensionsversicherung.
Hören Sie auf, melden Sie das Ende ebenfalls binnen einem Monat. Kommt die Meldung später, beendet die SVS die Versicherung erst mit dem Monat, in dem die Meldung einlangt.
Umsatzsteuer: Kleinunternehmerregelung gilt auch hier
Die Kleinunternehmerregelung hängt nicht am Gewerbeschein, sondern am Umsatz. Liegt Ihr Jahresumsatz nicht über 55.000 Euro, stellen Sie keine Umsatzsteuer in Rechnung und geben keine Umsatzsteuervoranmeldung ab. Wie die Grenze gerechnet wird und wann sich ein Verzicht lohnt, erklärt der Beitrag zur Kleinunternehmerregelung.
Adresse für Rechnung und Impressum
Neue Selbständige stehen in keinem Gewerberegister, ihre Anschrift taucht trotzdem auf: Jede Rechnung muss nach § 11 Umsatzsteuergesetz Namen und Anschrift des leistenden Unternehmers tragen, und wer eine Website betreibt, nennt im Impressum die geografische Anschrift, unter der er niedergelassen ist. Die übrigen Pflichtangaben je Rechnungsbetrag fasst ein eigener Beitrag zusammen.
Wer dafür nicht die Wohnadresse verwenden will, nutzt eine Geschäftsadresse für Freelancer. Postservice.at stellt eine ladungsfähige Adresse in 1010 Wien für Firmenbuch und Impressum, mit Posteingang und Paketempfang. Das Basic-Paket kostet 49 Euro netto pro Monat bei jährlicher Zahlung, bei monatlicher Zahlung ist es monatlich kündbar, ohne Mindestlaufzeit.
Häufige Fragen
Wer fällt unter Neue Selbständige?
Wer selbständig auf Werkvertrag arbeitet, daraus Einkünfte aus selbständiger Arbeit oder Gewerbebetrieb erzielt und für die Tätigkeit keine Gewerbeberechtigung braucht. Als Beispiele nennen USP und SVS Autorinnen, Vortragende, Psychotherapeuten, Kunstschaffende und Physiotherapeuten. Fällt die Tätigkeit unter die Gewerbeordnung, sind Sie Gewerbetreibender.
Ab wann sind Neue Selbständige sozialversicherungspflichtig?
Sobald die Einkünfte im Kalenderjahr die Versicherungsgrenze übersteigen, 2026 sind das 6.613,20 Euro. Mit einer Überschreitungserklärung beginnt die Versicherung an dem Tag, an dem die Erklärung bei der SVS einlangt. Ohne Erklärung stellt die SVS die Pflichtversicherung erst nach dem Einkommensteuerbescheid fest.
Wie viel SVS zahlen Neue Selbständige?
18,5 Prozent Pensionsversicherung, 6,8 Prozent Krankenversicherung und 1,53 Prozent Selbständigenvorsorge von der Beitragsgrundlage, dazu 12,96 Euro Unfallversicherung im Monat. In den ersten drei Jahren berechnet die SVS die vorläufigen Beiträge von der Mindestbeitragsgrundlage, das ergibt 2026 rund 161 Euro im Monat. Endgültig abgerechnet wird nach dem Einkommensteuerbescheid.
Brauchen Neue Selbständige einen Gewerbeschein?
Nein, genau das unterscheidet sie von Gewerbetreibenden. Statt der Gewerbeanmeldung melden Sie die Tätigkeit selbst bei der SVS, sobald die Einkünfte voraussichtlich über der Versicherungsgrenze liegen, und beantragen beim Finanzamt eine Steuernummer.
Was passiert, wenn ich die Versicherungsgrenze unerwartet überschreite?
Die SVS schreibt die Beiträge nach, sobald sie den Einkommensteuerbescheid hat, und verlangt zusätzlich einen Beitragszuschlag von 9,3 Prozent. Melden Sie die Überschreitung binnen acht Wochen ab Ausstellung des Einkommensteuerbescheids, entfällt der Zuschlag.
Quellen
- RIS: § 2 GSVG, Pflichtversicherung (abgerufen am 7. Oktober 2026)
- RIS: § 4 GSVG, Ausnahmen und Versicherungsgrenze (abgerufen am 7. Oktober 2026)
- RIS: § 18 GSVG, Meldungen der Pflichtversicherten (abgerufen am 7. Oktober 2026)
- RIS: §§ 120 und 121 Bundesabgabenordnung, Anzeigepflicht und Frist (abgerufen am 7. Oktober 2026)
- RIS: § 11 Umsatzsteuergesetz 1994, Rechnungen (abgerufen am 7. Oktober 2026)
- RIS: § 5 E-Commerce-Gesetz, allgemeine Informationen (abgerufen am 7. Oktober 2026)
- USP: Neue Selbständige (abgerufen am 7. Oktober 2026)
- oesterreich.gv.at: Arten selbständiger Erwerbstätigkeit (abgerufen am 7. Oktober 2026)
- SVS: Voraussetzungen für Neue Selbständige (abgerufen am 7. Oktober 2026)
- SVS: Neue Selbständige, Beginn und Ende (abgerufen am 7. Oktober 2026)
- SVS: Einkünfte unter der Versicherungsgrenze (abgerufen am 7. Oktober 2026)
- SVS: Opting-in in der Krankenversicherung (abgerufen am 7. Oktober 2026)
- SVS: Vorläufige Berechnung in den ersten drei Jahren (abgerufen am 7. Oktober 2026)
- SVS: Informationen Neue Selbständige, PDF (abgerufen am 7. Oktober 2026)
Stand: 7. Oktober 2026. Titelbild: Foto von Laura Chouette auf Unsplash.
Redaktionell geprüft am 12. Oktober 2026: Zahlen gegen die verlinkten Primärquellen, Rechtsangaben im Rechtsinformationssystem, Preise und Leistungen gegen unsere AGB. Fragen oder Hinweise? Schreiben Sie uns an hello@postservice.at. So prüfen wir unsere Inhalte
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